a A

Belgien erhält digitale Kopie der ITS-Dokumente

Das belgische Staatsarchiv (Archives Générales du Royaume) in Brüssel hat gestern Daten aus dem Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen erhalten. Nach Israel, den USA, Polen und Luxemburg nutzt damit jetzt auch Belgien den umfangreichen Dokumentenbestand über die NS-Verfolgung. Auf Beschluss des Internationalen Ausschusses, der die Tätigkeit des ITS überwacht, kann jeder der elf Mitgliedsstaaten eine digitale Kopie der in Bad Arolsen vorhandenen Unterlagen anfordern.

„Die Dokumente im Archiv des ITS vermitteln ein umfassendes Bild vom Ausmaß der nationalsozialistischen Verfolgung“, sagte ITS-Direktor Jean-Luc Blondel. „Darunter sind auch Unterlagen über die Unterdrückung des Widerstandes in Belgien, die Ausbeutung belgischer Zwangsarbeiter sowie die Verfolgung von Juden und anderen Minderheiten.“ Diese stehen der Forschung mit der Datenübergabe demnächst auch im Generalstaatsarchiv von Belgien zur Verfügung. Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, das US Holocaust Memorial Museum in Washington, das Nationale Institut des Gedenkens in Warschau, das Dokumentations- und Forschungszentrum über den Widerstand in Luxemburg arbeiten bereits mit Dokumentenscans aus dem Archiv des ITS. „Die digitale Kopie der ITS-Unterlagen zählt nun zu den relevanten Akten unseres Archivs,“ erklärte der belgische Archivchef Karel Velle. „Wir werden die Dokumente, die von größter Bedeutung für die Geschichte unserer Gesellschaft sind, aufbewahren und in einigen Monaten der Öffentlichkeit zugänglich machen.“

Bisher wurden rund 80 Millionen Abbildungen und circa sechs Terabyte an Daten an die Einrichtungen überreicht, darunter Dokumente zu Konzentrationslagern, Ghettos und Gefängnissen (ca. 18 Millionen Abbildungen), die Zentrale Namenkartei des ITS (ca. 42 Millionen Abbildungen), Registrierungskarten von Displaced Persons (ca. 7 Millionen Abbildungen) sowie Dokumente zum Thema Zwangsarbeit (ca. 13 Millionen Abbildungen). Derzeit werden die restlichen Unterlagen zum Bereich der DPs und der Emigration gescannt. Noch offen sind die Bestände des Kindersuchdienstes, die so genannten Sachdokumente sowie die Korrespondenz des ITS mit Opfern und ihren Familienangehörigen.