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Daten vom Kindersuchdienst überreicht

Der Internationale Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen hat diese Woche weitere Kopien von Datenbeständen an fünf Partnerorganisationen in Israel, den USA, Polen, Luxemburg und Belgien überreicht. Es handelt sich um Dokumente des Kindersuchdienstes sowie um Dokumente über die NS-Verfolgung, die sich nicht auf konkrete Einzelschicksale beziehen. „Dazu zählen etwa Unterlagen über die Logistik der Konzentrationslager, medizinische Experimente, den Verein ‚Lebensborn’, und Gerichtsprozesse aus der Nachkriegszeit“, sagte Udo Jost, Bereichsleiter Archiv beim ITS. „Es ist ein vergleichsweise kleiner Bestand innerhalb unseres Archivs, aber von besonders hohem Interesse für die Forschung.“

Die Dokumente des Kindersuchdienstes betreffen nicht-deutsche Kinder, die als vermisst gemeldet wurden. Zugleich geht es um die Suche nach Familienangehörigen von allein aufgefundenen Kindern und Jugendlichen, die Zwangsarbeit, Verschleppung oder Konzentrationslager überlebt hatten und am Ende des Zweiten Weltkrieges unter 18 Jahre alt waren. „Die Jüngsten unter ihnen wussten manchmal nicht einmal ihren Nachnamen“, berichtet Margret Schlenke, Leiterin der Abteilung Suchdienst und Schicksalsklärung beim ITS. „Ihre Geschichten sind hoch emotional. Sie zeugen in besonderem Maße von der Brutalität des NS-Regimes.“

Die jetzt überreichten Dokumente umfassen knapp 2,3 Millionen Abbildungen und 357 GB. Es handelt sich um den Großteil der Unterlagen aus den beiden Teilbeständen des Archivs. Die restliche Lieferung soll Anfang 2011 erfolgen. Auf Beschluss des Internationalen Ausschusses, der die Tätigkeit des ITS überwacht, kann jeder der elf Mitgliedsstaaten eine digitale Kopie der in Bad Arolsen vorhandenen Unterlagen anfordern. Zu den Empfängern der aktuellen Datenlieferung zählen Yad Vashem in Jerusalem, das US Holocaust Memorial Museum in Washington, das Nationale Institut des Gedenkens in Warschau, das Dokumentations- und Forschungszentrum über den Widerstand in Luxemburg sowie das Belgische Staatsarchiv in Brüssel. „Natürlich sind die Unterlagen jetzt auch in der Datenbank des ITS in Bad Arolsen recherchierbar“, so Jost.

Insgesamt hat der ITS bislang knapp 87 Millionen Abbildungen an die verschiedenen Einrichtungen überreicht, darunter Dokumente zu Konzentrationslagern, Ghettos und Gefängnissen (ca. 18 Millionen Abbildungen), die Zentrale Namenkartei des ITS (ca. 42 Millionen Abbildungen), Registrierungskarten von Displaced Persons (ca. 7 Millionen Abbildungen), Dokumente zum Thema Zwangsarbeit (ca. 13 Millionen Abbildungen), Unterlagen aus DP Camps und zur Emigration nach dem Zweiten Weltkrieg (ca. 5 Millionen Abbildungen) sowie Bestände des Kindersuchdienstes und die so genannten Sachdokumente (bisher ca. 2 Millionen Abbildungen). Noch offen sind die drei Millionen Korrespondenzfälle des ITS mit Überlebenden und Familienangehörigen sowie Behörden, deren Digitalisierung noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird.