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Digitalisierung der Korrespondenz gestartet

Der Internationale Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen hat das bisher umfangreichste Teilprojekt zur Digitalisierung seines Archivs gestartet. Rund drei Millionen Fälle mit der Korrespondenz zwischen dem Suchdienst, Behörden sowie Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und ihren Familienangehörigen sollen in den kommenden Jahren digitalisiert werden. „In Kombination mit den Originaldokumenten aus der NS-Zeit bieten die Korrespondenzfälle eine umfassende Darstellung vom Schicksal des Einzelnen“, sagte der Bereichsleiter Archiv beim ITS, Udo Jost. „Sie fügen die häufig nur noch fragmentarisch vorhandenen Puzzleteile aus den Dokumenten zu einem Gesamtbild zusammen.“

Die Unterlagen enthalten Anfragen, Briefe und Zeitzeugenberichte von Menschen, die selbst Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung geworden sind oder von deren Familienangehörigen. „Insbesondere die Korrespondenz aus der unmittelbaren Nachkriegszeit zeigt die verschiedenen Verfolgungswege aus einer teilweise sehr persönlichen Perspektive auf“, so Jost. Die Menschen wandten sich an den Suchdienst, um Auskunft über die vorhandenen Dokumente zu erhalten oder noch lebende Familienangehörige zu suchen. In vielen Fällen benötigten sie auch Nachweise für Entschädigungs- oder Rentenanträge. „Im Laufe von über sechs Jahrzehnten haben sich so rund drei Millionen Fälle angesammelt. Im Schnitt umfasst die Korrespondenz jeweils 20 Seiten Papier“, erläuterte Alexander Lommel, Leiter der Abteilung Digitalisierung.

Insgesamt hat der Internationale Suchdienst bisher rund 84,5 Millionen Abbildungen und circa 6,5 Terabyte an Daten digitalisiert, darunter Dokumente zu Konzentrationslagern, Ghettos und Gefängnissen (ca. 18 Millionen Abbildungen), die Zentrale Namenkartei des ITS (ca. 42 Millionen Abbildungen), Registrierungskarten von Displaced Persons (ca. 7 Millionen Abbildungen), Dokumente zum Thema Zwangsarbeit (ca. 13 Millionen Abbildungen) sowie Unterlagen aus DP Camps und zur Emigration nach dem Zweiten Weltkrieg (ca. 4,5 Millionen Abbildungen). An Originaldokumenten stehen die Bestände des Kindersuchdienstes und der so genannten Sachdokumente noch aus.

„Der Schutz der persönlichen Daten wird bei der Herausgabe der Fallkorrespondenz beachtet“, versprach Jost. „Anfragen, die jünger als 25 Jahre sind, stehen nur den Opfern selbst und ihren Familienangehörigen offen, nicht aber der Forschung.“ Die Digitalisierung der sogenannten T/D-Fälle (Tracing/Documents, Suche/Dokumente) erfolgt an elf Scanstationen. Das gesamte Projekt der Digitalisierung der Fallkorrespondenz wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen.