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Displaced Persons 1945 – Flüchtlinge 2014

DP-Camp Hasenhecke in Kassel

Rund zehn Millionen Überlebende des Holocaust, der Zwangsarbeit und NS-Verfolgung befanden sich nach Kriegsende nicht mehr in ihrem Ursprungsland. Sie waren „Displaced Persons“ (DPs), und mehr als drei Millionen von ihnen konnten oder wollten nicht mehr zurück nach Hause. Sie alle bauten sich ein neues Leben auf – in Europa, in den USA, Israel, Australien, Kanada und anderen Ländern dieser Welt.

2014 blicken wir auf eine Welt, in der das UN-Flüchtlingskommissariat informiert, dass erstmals seit 1945 rund 50 Millionen Menschen als heutige Displaced Persons leben müssen; immer mehr Menschen müssen vor brutaler Verfolgung fliehen.

Auch vor diesem aktuellen Hintergrund haben Jugendliche in einem vom beratungsNetzwerk hessen geförderten Video-Projekt den Fokus auf individuelle Schicksale von Menschen gerichtet, die als DPs 1945 oder als Flüchtlinge heute in anderen Ländern ein neues Leben beginnen müssen. Die Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-Filchner-Schule Wolfhagen präsentierten ihre Filme am 28. November 2014 im Jüdischen Museum in Frankfurt am Main.

Überleben und Neubeginn

Das Besondere an dem Projekt ist der Zeitsprung: In einem ersten Schritt haben die drei Schülergruppen beim International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen unterschiedliche Lebensläufe von Displaced Persons (DPs) und deren individuelle Verfolgungsgeschichten unter dem Nationalsozialismus erforscht. Diesen durch Fotos und Dokumente illustrierten Biografien stellen die Jugendliche Interviews mit Menschen aus Eritrea, Syrien und Afghanistan gegenüber. Mit ihnen sprachen sie über ihre Situation im fremden Land, die Gründe für ihre Flucht und ihre Zukunftswünsche.

Empathie und Verantwortung

Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich intensiv mit einem Thema, das immer relevant ist: Mitmenschlichkeit und Empathie. Das wird in ihren Filmen deutlich: „Nach wie vor ist es wichtig, sich mit den in der Menschheitsgeschichte immer wiederkehrenden Phänomenen von Diskriminierung und Zwangsmigration auseinanderzusetzen und Unterstützung für die Menschen zu organisieren.“

Die Filme entstanden im Zusammenhang mit der Ausstellung „Wohin sollten wir nach der Befreiung?“, die der ITS noch bis zum 22. Januar 2015 in der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main zeigt. Sie lenkt den Blick auf das Schicksal Überlebender der NS-Verfolgung, des Holocaust und der Zwangsarbeit.

Die Filme sind bereits auf dem You-Tube-Kanal vom International Tracing Service zu sehen: www.youtube.com/user/itsarolsen

Drei Filme der Geschichtswerkstatt E2 der Wilhelm-Filchner-Schule Wolfhagen (Schuljahr 2013/14)

„Displaced – Entwurzelt! Ragib Agic und Alemu“ (8.17 Min.)
„Leben im Transit Emma Kruse und Milana“ (8.22 Min.)
„Überlebt! Die Geschwister Mak und Mohadiza“ (7.01 Min.)

Leitung: Marcus von der Straten
Unterstützt von: 
beratungsNetzwerk hessen: Tina Dürr und Katharina Seyfferth; Susanne Flörke
Ökomenischer Arbeitskreis
Flüchtlinge in Wolfhagen: Ursula Muth
ITS: Dr. Susanne Urban, René Bienert
Medienprojektzentrum
offener kanal kassel: Frank Weiershäuser