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Effekten an 18 Familien zurückgegeben

Der Internationale Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen hat in den vergangenen Tagen 18 Familien aus den Niederlanden Effekten aus dem Konzentrationslager Neuengamme zurückgeben können. Es handelt sich um Portemonnaies, Fotos, Papiere und Briefe, die den Häftlingen bei ihrer Einlieferung ins KZ abgenommen worden waren. „Diese persönlichen Gegenstände schaffen eine besondere Art der Verbindung zu den verfolgten und ermordeten Angehörigen. Sie sind ein Stück Erinnerung, das aus unserer Sicht am besten bei den Familien aufgehoben ist“, sagte ITS-Direktor Jean-Luc Blondel.

Die Effektenrückgaben fanden in der Gedenkstätte Amersfoort und beim ITS in Bad Arolsen statt. „Ein intensiver Moment für uns alle“, sagte Susanne Siebert, Bereichsleiterin Humanitäre Anfragen beim ITS. „Wir sind froh, dass wir dank der Unterstützung durch die Stiftung ‚October 44‘ und die Gedenkstätte Amersfoort die Familien finden konnten.“ Die 18 ehemaligen Häftlinge waren von den Nationalsozialisten aus politischen Gründen, wegen Widerstandes, Arbeitsverweigerung oder der Hilfe für jüdische Mitbürger verhaftet worden.

Sieben Familien stammen aus dem niederländischen Ort Putten. Bei einer Razzia im Oktober 1944 hatten die Nationalsozialisten nach dem Attentat einer Widerstandgruppe die gesamte männliche Bevölkerung des Ortes verhaftet. Von den 660 Männern, die ins KZ Neuengamme verschleppt wurden, kehrten nach dem Krieg nur 48 zurück. Der Ort Putten wurde niedergebrannt. „Da den Menschen aus dieser Zeit nicht viel von ihren persönlichen Habseligkeiten erhalten blieb, sind die Effektenübergaben von starker emotionaler Bedeutung für die Familien“, so Siebert.

Die jetzige Rückgabe der Effekten gehört zu einer Initiative, die der ITS 2009 gestartet hatte. „Unser Ziel ist die Rückerstattung einer möglichst hohen Anzahl an Effekten“, erklärte Blondel. Im vergangenen Jahr wurde eine Liste aller noch vorhandenen Effekten im Internet veröffentlicht. Zurzeit sind im Archiv des ITS noch rund 2.850 Umschläge mit Effekten vorhanden, von denen der Name des ursprünglichen Besitzers bekannt ist. Die persönlichen Gegenstände stammen überwiegend aus den Konzentrationslagern Neuengamme und Dachau. Bei der Suche nach Familienangehörigen setzt der ITS auf die Zusammenarbeit mit Gedenkstätten, Partnerorganisationen und Opferverbänden.