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Effekten an 35 Familien zurückgegeben

Der Internationale Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen hat heute in der Gedenkstätte Amersfoort 35 Familien aus den Niederlanden Effekten zurückgeben können. Es handelt sich überwiegend um Brieftaschen, die den Besitzern bei der Deportation ins Konzentrationslager Neuengamme von den Nationalsozialisten abgenommen wurden. „Wir freuen uns sehr, dass der Kontakt zu den Familien dank der Initiative von Gert van Dompseler und Pieter Dekker von der Stiftung October’44 zustande gekommen ist“, sagte Nicole Dominicus, Leiterin Archivanfragen und Besucherbetreuung beim ITS.

Die Portemonnaies enthalten Fotos, Papiere, Lebensmittelmarken und vereinzelt Briefe. Sämtliche Wertsachen hatten die Nationalsozialisten konfisziert. „Die Effekten haben keinen materiellen, dafür aber einen hohen emotionalen Wert“, sagte Dominicus. „Sie sind ein Stück Erinnerung, das aus unserer Sicht am besten bei den Familien aufgehoben ist.“ Die ursprünglichen Besitzer der Effekten waren überwiegend niederländische Widerstandskämpfer gegen die deutschen Besatzer.

Ein Teil von ihnen kam auch aus dem niederländischen Ort Putten. Bei einer Razzia im Oktober 1944 hatten die Nationalsozialisten die gesamte männliche Bevölkerung des Ortes verhaftet sowie Frauen und Kinder vertrieben. Die Aktion diente als Racheakt nach dem Überfall auf einen Wagen der deutschen Wehrmacht. Von den 660 Männern, die ins KZ Neuengamme verschleppt wurden, kehrten nach dem Krieg nur 48 zurück. „Ihr Weg führte über das Durchgangslager Amersfoort“, so Dominicus.

Die heutige Rückgabe der Effekten in der Gedenkstätte Amersfoort gehört zu einer Initiative, die der ITS im vergangenen Jahr gestartet hat. „Vermutlich werden wir nicht mehr viele Angehörige finden, aber unser Ziel bleibt die Rückerstattung einer möglichst hohen Anzahl an Effekten“, sagte Dominicus. Zurzeit sind im Archiv des ITS noch rund 3400 Umschläge mit Effekten vorhanden. Von den ursprünglich 5200 Umschlägen konnte der ITS seit 1963 knapp 1800 an ehemalige Häftlinge und Familienangehörige zurückgeben.

Der ITS recherchierte von sich aus und mit Hilfe von Rot-Kreuz-Gesellschaften in den Heimatländern nach aktuellen Adressen. Trafen Anfragen zu ehemaligen Häftlingen beim ITS ein, wurden Effekten ebenfalls den Familien zugesandt. „Häufig wissen wir aber nicht, ob es noch Angehörige der Opfer gibt und in welchen Ländern sie heute leben“, erläuterte Dominicus. „Deshalb erhoffen wir uns über die Gedenkstätten und andere Partnerorganisationen weitere Hinweise.“ Von sämtlichen, noch vorhandenen Effekten hat der ITS Aufnahmen gemacht und eine CD-Rom mit den Fotos und einer Namenliste an die Gedenkstätten Dachau und Neuengamme, die Internationalen Lagerkomitees sowie an weitere Partnerorganisationen, wie Yad Vashem und das US Holocaust Memorial Museum, gesandt.