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Effekten an weitere 14 Familien zurückgegeben

Der Internationale Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen hat gestern in der Gedenkstätte Amersfoort weiteren 14 Familien aus den Niederlanden Effekten zurückgeben können. Es handelt sich überwiegend um Brieftaschen, die den Besitzern bei der Deportation ins Konzentrationslager Neuengamme von den Nationalsozialisten abgenommen worden waren. „Die Rückgabe ist ein bewegender Moment für uns alle“, sagte Nicole Dominicus, Abteilungsleiterin Archivverwaltung beim ITS. „Häufig sind in den Portemonnaies letzte Erinnerungsstücke und Fotos, die den Familien viel bedeuten. Deshalb sind sie aus unserer Sicht bei den Familien am besten aufgehoben.“

Der Kontakt zu den Familien kam wie bereits bei der vorherigen Übergabe von Effekten im Februar 2010 dank der Initiative von Gert van Dompseler und Pieter Dekker von Stichting October’44 zustande. Die beiden Niederländer recherchieren ehrenamtlich seit Monaten nach Familienangehörigen. „Oft fängt mit dem Erhalt der Effekten eine intensive Zeit der Auseinandersetzung an“, berichtet Dekker. „Die Familienangehörigen möchten genau wissen, was passiert ist und fahren an die Orte des Geschehens.“ Mit den Effekten händigt der ITS zugleich die im Archiv vorhandenen Dokumente zum Verfolgungsweg aus.

Zurzeit sind im Archiv des ITS noch rund 3400 Umschläge mit Effekten vorhanden. Die Portemonnaies enthalten Fotos, Papiere, Briefe und Lebensmittelmarken. Sämtliche Wertsachen hatten die Nationalsozialisten konfisziert. „Die Effekten haben keinen materiellen, dafür aber einen hohen emotionalen Wert“, sagte Dominicus. Die ursprünglichen Besitzer der Effekten waren überwiegend niederländische Widerstandskämpfer gegen die deutschen Besatzer. „Sie wurden über das Durchgangslager Amersfoort in das Konzentrationslager Neuengamme verschleppt“, berichtete Dominicus.

Die aktuelle Rückgabe der Effekten in der Gedenkstätte Amersfoort gehört zu einer Initiative, die der ITS im vergangenen Jahr gestartet hatte. Von sämtlichen, noch vorhandenen Effekten hat der ITS Aufnahmen gemacht und eine CD-Rom mit den Fotos und einer Namenliste an die Gedenkstätten Dachau und Neuengamme, die Internationalen Lagerkomitees sowie an weitere Partnerorganisationen, wie Yad Vashem und das US Holocaust Memorial Museum, gesandt. „Von den Gedenkstätten und anderen Partnerorganisationen erhoffen wir weitere Hinweise auf Familienangehörige“, so Dominicus. „Vermutlich werden wir nicht mehr viele finden, aber unser Ziel bleibt die Rückgabe einer möglichst hohen Anzahl an Effekten.“ Von den ursprünglich 5200 Umschlägen im Archiv des ITS konnten seit dem Erhalt im Jahr 1963 etwa 1800 an ehemalige Häftlinge und Familienangehörige zurückgegeben werden.