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Europäische Union gibt Startschuss für erstes europaweites Projekt für Studien zum Holocaust

Brüssel, den 16. November 2010: Heute ist unter der Schirmherrschaft von Ratspräsident Herman Van Rompuy offiziell der Startschuss zur Europäischen Infrastruktur für Holocaust-Forschung (EHRI - the European Holocaust Research Infrastructure) gegeben worden. EHRI wird der Garant für höchste Standards bei der Erforschung der Geschichte des europäischen Kontinents. Gefördert mit sieben Millionen Euro von der Europäischen Union und vernetzt mit 20 Partnerorganisationen aus 13 Ländern, ist es das bislang wichtigste europäische Forschungsprojekt über die Tragödie des Holocaust. In den kommenden vier Jahren nehmen Forscher den Aufbau einer einzigartigen Datenbank in Angriff, die die derzeit über ganz Europa verstreuten Archivmaterialien in sich vereinigen soll. Forscher, aber auch Lehrer und Studenten, werden diese unermesslich reiche Quelle über die Geschichte des neuzeitlichen Europas nutzen.  

Zugang zu Archiven gewähren – Sammlungen miteinander verknüpfen

Ein spezieller Fokus wird auf der Bildung und Breitenwirkung liegen, da für ein größeres Publikum die Online-Verfügbarkeit und der uneingeschränkte Zugang zu Materialien zum Holocaust in der Form von Dokumenten, Objekten, Photos, Filmen und Kunstwerken sicher gestellt wird. Laut EHRI-Direktor, Dr. Conny Kristel, „geht es bei dieser gemeinsamen Unternehmung weltweit hoch angesehener Institute darum, Zugang zu Archiven zu gewähren und Sammlungen miteinander zu verknüpfen. Daraus werden zahlreiche Forscher, aber auch die breite Öffentlichkeit, Gewinn ziehen und selbst beisteuern zu einem höheren Niveau an Holocaust-Wissen und Wahrnehmung“. Das Projekt als solches wird einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass (Nicht-Regierungs-) Organisationen, Lehrer und einzelne Bürger neuen Generationen das Geschehene bewusst machen können.

Konsortium

Die EHRI-Partner sind Forschungsinstitutionen, Bibliotheken, Archive, Museen und Gedenkstätten mit Sitz in Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Israel, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn und im Vereinigten Königreich. Ihre Wissenschaftler werden ihre Kräfte bündeln und die der Holocaust-Forschung über ganz Europa, Israel und anderswo verstreut verfügbaren Daten in ein kohärentes Forschungskorpus umwandeln. Osteuropa, wo die überwiegende Mehrheit der Holocaust-Opfer lebte, soll dabei einen Schwerpunkt bilden.

Virtuelle Forschungsumgebung

EHRI wird eine virtuelle Forschungsumgebung entwickeln und einrichten, die Online-Zugang zu Archivmaterialien und zu einer Reihe von Hilfsmitteln für die Arbeit mit den Materialien bietet. Zu den an EHRI mitwirkenden Wissenschaftlern zählen nicht allein wissenschaftlich ausgebildete Historiker und Politik- und Sozialwissenschaftler, sondern auch Archivare und Spezialisten für die Infrastruktur digitaler Forschung. EHRI wird das Muster, den Pionier digitaler Forschung in einem breiten Spektrum neuer Disziplinen in historischer Forschung und Archivpraxis abgeben. Das Projekt wird von NIOD, dem Institut für Studien zu Krieg, Holocaust und Genozid in Amsterdam, koordiniert.

Jahrestag

In diesem Jahr gedenkt die Welt des 65. Jahrestags der Befreiung Auschwitz-Birkenaus, des nationalsozialistischen Todeslagers, das zum Symbol des Holocaust und der Vernichtung des europäischen Judentums geworden ist. Die Tragödie des Holocaust führte zur Tötung von mehr als sechs Millionen Juden in Europa.

Über EHRI:

• Bei EHRI geht es darum, Zugang zu Archiven zu gewähren und Sammlungen miteinander zu verknüpfen.

•  EHRIs Infrastruktur wird „das Füllhorn“ für die Holocaust-Forschung sein, ihre Nutzer werden die „breite Masse“ sein.

• EHRI wird die Holocaust-Forschung demokratisieren: die Allgemeinheit aktivieren heißt Forschungsergebnisse bekommen.

• EHRI beabsichtigt, dem Ausmaß des Holocaust dadurch ein Gesicht zu geben, dass lokale Geschichte europaweit verfügbar gemacht wird.

• EHRI zeigt den Menschen, wie sie in den Sammlungen zum Holocaust ihren individuellen Weg finden können. Es geht nicht um eine weitere digitale Bibliothek.

• Durch die Aktivierung uneingeschränkten Zugangs zu Materialien zum Holocaust für die Allgemeinheit werden Bildung und soziale Programme besondere Bedeutung bekommen. Das Projekt als solches wird einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass (Nicht-Regierungs-) Organisationen, Lehrer und einzelne Bürger neuen Generationen das Geschehene bewusst machen können. 

• EHRI wird Zugang zu verstreuten Archivmaterialien gewähren. EHRI entwickelt Online-Hilfsmittel zum Zusammenschluss von Daten und Informationen. EHRI wird so ein beispielloses Niveau in puncto kooperativer Forschung in den Geisteswissenschaften und digitaler Geschichte erreichen. EHRI wird neue Methoden entwickeln und erproben, neue Forschungsthemen erschließen und zu neuen, präziseren Schlussfolgerungen kommen, wodurch erheblich mehr historische Daten und Schauplätze erfasst bzw. abgedeckt werden. 

• Das EHRI-Projekt wird auch einen Anstoß zur Erforschung vergleichsweise unbekannter Facetten des Holocaust geben und diese erst möglich machen. Da die überwiegende Mehrheit der Holocaust-Opfer in Osteuropa lebte, wird dies eine Fokussierung insbesondere auf Osteuropa bedeuten.

• Das EHRI-Konsortium besteht aus 20 Partnern aus Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Israel, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn und dem Vereinigten Königreich. 

• Finanzieller Beitrag der EU: Sieben Millionen Euro

• Finanzierungsschema (FP7):  Kombination von kooperativen Projekten und Koordinations- und Unterstützungsaktionen (CP-CSA)

• Projektdauer: 48 Monate.

• Koordinator: NIOD. Institut für Studien zu Krieg, Holocaust und Genozid, Amsterdam, Dr. Conny Kristel.

Das EHRI-Konsortium

• NIOD-KNAW. Institute for War, Holocaust and Genocide Studies (Niederlande, Koordinator)

• CEGES-SOMA (Belgien)

• Zidovske Muzeum v Praze (Tschechische Republik)

• Institut für Zeitgeschichte (Deutschland)

• Yad Vashem. The Holocaust Martyrs and Heroes Remembrance Authority (Israel)

• The Wiener Library Institute of Contemporary History (Großbritannien)

• Holocaust Dokumentacios Kozpont Es Emlekgyujtemeny Kozalapitvany (Ungarn)

• Senter for studier av Holocaust og livssynsminoriteter (Norwegen)

• Kansallisarkisto (Finnland)

• Zydowski Instytut Historyczny Im. Emanuela Ringelbluma (Polen)

• King’s College London (Großbritannien)

• Georg August Universität Göttingen Stiftung Öffentlichen Rechts (Deutschland)

• Athena Research and Innovation Center in Information Communication & Knowledge Technologies  (Griechenland)

• DANS-KNAW. Data Archiving and Networked Services (Niederlande)

• Mémorial de la Shoah (Frankreich)

• Internationaler Suchdienst (Deutschland)

• Stiftung Denkmal für die Ermordeten Juden Europas (Deutschland)

• Památnik Terezin (Tschechische Republik)

• Beit Theresienstadt (Israel)

• Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust Studien (Österreich)

Weitere Informationen im Web: www.ehri-project.eu

Weitere Informationen über die EU-Unterstützung für Forschungsinfrastrukturen: ec.europa.eu/research/infrastructures

Ansprechpartner für die Presse:

Herman Nieuwenhuis
EHRI
+31 6 53 58 60 57
herman@topiq.com

Florian Frank
EUROPÄISCHE KOMMISSION. Generaldirektion Forschung
+32 2 299 79 34
+32 476 04 20 44
www.ec.europa.eu/research
florian.frank@ec.europa.eu