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Interesse an Auskünften des ITS hält an

Das Interesse an der Dokumentation des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen über die nationalsozialistische Verfolgung und Zwangsarbeit hält unvermindert an. 2011 erreichten den ITS insgesamt 12.941 Anfragen (2010: 12.981, 2009: 11.768). Im ersten Halbjahr 2012 gab es gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum mit 6.889 Anfragen erneut einen Anstieg (Vorjahr 6.492). „Dieser Trend geht von Osteuropa aus“, sagte ITS-Direktor Jean-Luc Blondel. „Hier gibt es noch viele offene Fragen an die Geschichte."

85 Prozent der Anfragen (10.590) kamen 2011 von Familienangehörigen oder Überlebenden der NS-Verfolgung, 13 Prozent von Forschern (1.487) und Journalisten (254). Aus 69 Ländern (Vorjahr 70) wurden Auskünfte eingeholt, allen voran aus Deutschland (3.617), der Russischen Föderation (1.689) und den USA (1.059). 50 Prozent der Anfragen galten dem Verfolgungsweg von Inhaftierten in Konzentrationslagern, Ghettos und Gestapo-Gefängnissen, 27 Prozent bezogen sich auf die Zwangsarbeit und 23 Prozent ersuchten Auskünfte zu Überlebenden, die sich nach Kriegsende außerhalb ihrer Heimat wiederfanden (Displaced Persons). „Das Schwergewicht unserer Arbeit liegt damit weiterhin auf der traditionellen Aufgabe der Schicksalsklärung und Information für Betroffene“, so Blondel. „Es zeigt das enorme Interesse auch der zweiten und dritten Generation.“

Wandel zu einem Zentrum für Dokumentation, Information und Forschung

Gleichzeitig schreitet der Wandel von einem reinen Suchdienst zu einem Zentrum für Dokumentation, Information und Forschung voran. Im Bereich Forschung und Bildung sind weitere Kooperationsprojekte mit Schulen, Universitäten und Gedenkstätten begonnen worden. Der ITS hat zudem erste Unterrichtsmaterialien für Schulen und sein erstes wissenschaftliches Jahrbuch mit Ergebnissen der Forschung zu Todesmärschen veröffentlichen können. Erstellt wird derzeit auch ein Verzeichnis von Camps für Displaced Persons in den westlichen Besatzungszonen.

Das Jahr 2012 steht weiterhin unter dem Zeichen des anstehenden Wechsels im Management. Das Ausscheiden des IKRK aus der Leitung des ITS nach 57 Jahren wird ein weiterer Wendepunkt in der Geschichte der Einrichtung darstellen. „Wir treffen derzeit alle notwendigen Vorbereitungen, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen“, versicherte Blondel. Institutioneller Partner wird ab Januar 2013 das Bundesarchiv. Für die künftige Leitung der Einrichtung wurde mit Professor Rebecca Boehling von der University of Maryland Baltimore County (USA) vor kurzem eine Expertin in der Holocaust-Forschung und der Geschichte des Nationalsozialismus gefunden. Den Vorsitz im Internationalen Ausschuss, der die Richtlinien für die Arbeit des ITS festlegt, übernahm bis Mai 2013 Deutschland von Frankreich.

Erschließung, Konservierung und Digitalisierung der Dokumente

Eine weitere wichtige Aufgabe des Suchdienstes ist die Erschließung seiner Archivbestände, um die Zugänglichkeit für Forscher zu erleichtern. Im ersten Halbjahr 2012 erschienen zwei weitere Findbücher, unter anderem zum Bestand des von der SS getragenen Vereins „Lebensborn“. Zurzeit in Arbeit ist eine komplette Bestandsübersicht.

Im Rahmen der Konservierung standen dem ITS im Jahr 2011 insgesamt 150.000 Euro für die Massenentsäuerung von Dokumenten und die Reparatur von Rissen zur Verfügung. 234.036 Einzeldokumente von Häftlingen aus dem Konzentrationslager Buchenwald konnten restauriert und konserviert werden. Für 2012 ist die Konservierung von etwa 300.000 Dokumenten aus dem Konzentrationslager Dachau in Planung.

Nachdem die Digitalisierung der historischen Dokumente als nahezu abgeschlossen gilt, werden derzeit rund drei Millionen Akten mit der Korrespondenz zwischen dem Suchdienst, Behörden sowie Opfern der NS-Verfolgung und ihren Familienangehörigen gescannt. Bis Ende Juni 2012 konnten 460.000 der so genannten T/D-Fälle (Tracing/Documents) digitalisiert und davon 350.000 auch indiziert werden. Eine weitere Abgabe von Dokumenten an internationale Partnerorganisationen ist für Herbst 2012 vorgesehen.

Zahl der Mitarbeiter und Finanzen

Die Zahl der Mitarbeiter des ITS belief sich zum 1. Januar 2012 auf 289 (2011: 297, 2010: 307, 2009: 314) bei 244 Stellen. Der Trend einer allmählichen Reduzierung des Personals wird sich fortsetzen, da in den kommenden Jahren zahlreiche Mitarbeiter in Rente gehen und frei gewordene Stellen in der Regel nicht nachbesetzt werden. Etwa 35 Prozent der Belegschaft üben eine Teilzeitbeschäftigung aus. Der ITS setzt sich bei der Bundesregierung dafür ein, dass weitere feste Stellen für Akademiker im Bereich Forschung und Erschließung bewilligt werden, um die zusätzlichen Aufgaben der Einrichtung in diesen Bereichen zu bewältigen.

Die Gesamtausgaben des ITS beliefen sich im vergangenen Jahr auf insgesamt 14,365 Millionen Euro. Diese wurden durch den Bundeshaushalt getragen. Von den Gesamtausgaben entfielen rund 83 Prozent auf die Personalausgaben. Der Gesamtetat 2012 umfasst 14,473 Millionen Euro.