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Interesse an der Dokumentation des ITS hält an

Die Zahl der Anfragen an den Internationalen Suchdienst (ITS/International Tracing Service) stieg das dritte Jahr in Folge. Insgesamt erreichten den ITS im vergangenen Jahr 12.981 Anfragen (Vorjahr: 11.768, 2008: 10.251). „Diese Entwicklung zeigt uns, dass das Interesse an der Dokumentation des ITS und dem Thema der nationalsozialistischen Verfolgung unvermindert anhält“, sagte ITS-Direktor Jean-Luc Blondel. Der Internationale Ausschuss aus elf Mitgliedsstaaten, der die Richtlinien für die Arbeiten des ITS erstellt und diese im Sinne der ehemaligen Verfolgten überwacht, setzt die Debatte um die Zukunft der Einrichtung fort.

Etwa 80 Prozent (10.302) der Anfragen kamen von Überlebenden der NS-Diktatur sowie Familienangehörigen von Opfern, die übrigen stellten Forscher (1.546), Journalisten (282) oder andere Interessierte. Aus 70 Ländern wurden Auskünfte eingeholt, allen voran aus Deutschland, der Russischen Föderation und Frankreich. Aus Osteuropa trafen verstärkt Anfragen ein, da der ITS seine Website seit Mai 2010 auch auf Russisch anbietet. „Unsere beiden obersten Prioritäten sind die Beantwortung der Anfragen sowie die Digitalisierung der Bestände“, äußerte Blondel.

Der Abschluss der Digitalisierung der historischen Originaldokumente aus den Archivbereichen Inhaftierung, Zwangsarbeit und Displaced Persons wird für Juni 2011 erwartet. In den kommenden Jahren wird noch die Digitalisierung der rund drei Millionen Korrespondenzakten des ITS mit Überlebenden, Familienangehörigen und öffentlichen Stellen im Umfang von rund 60 Millionen Blatt Papier umgesetzt. Zugänglich sind die digitalen Dokumente des ITS in sieben verschiedenen Archiven, abgesehen von Arolsen in Israel, den USA, Polen, Luxemburg, Belgien sowie Frankreich. Großbritannien und die Niederlande haben ebenfalls Interesse an einer Kopie angekündigt. Auf Beschluss des Internationalen Ausschusses kann jeder der elf Mitgliedsstaaten eine digitale Kopie der in Bad Arolsen vorhandenen Unterlagen anfordern.

Eine weitere wichtige Aufgabe des Suchdienstes ist die Erschließung seiner Archivbestände, um die Zugänglichkeit für Forscher zu erleichtern. 2010 konnten die ersten vier Findbücher online gestellt werden. Zurzeit in Arbeit sind ein Findbuch zum Bestand des „Lebensborn“ sowie eine Beständeübersicht. Im vergangenen Jahr hat der Suchdienst 408.583 Einzeldokumente konserviert. Die Dokumente wurden entsäuert und entlaminiert. Bei dem Bestand handelt es sich um Einzeldokumente aus dem Konzentrationslager Buchenwald.

Die Initiative zur Rückgabe von noch beim Internationalen Suchdienst verbliebenen Effekten lief 2010 besonders erfolgreich in den Niederlanden. Hier konnten 65 Brieftaschen von ehemaligen KZ-Insassen an die Familien zurückgegeben werden. Über die Veröffentlichung der etwa 2.900 namentlich bekannten Eigentümer von Effekten auf seiner Homepage erhofft sich der ITS weitere Hinweise auf noch lebende Familienangehörige. Zuvor war es im Rahmen einer aufwendigen Recherche gelungen, zusätzlich 476 Effekten von bislang unbekannten Eigentümern damaligen Häftlingen zuzuordnen.

Im Bereich Forschung wurden im vergangenen Jahr Kooperationen abgeschlossen, Forschungsvorhaben angestoßen und die pädagogische Arbeit begonnen. Zurzeit läuft gemeinsam mit Historikern von Partnerorganisationen und Universitäten ein Forschungsprojekt zum Thema Todesmärsche aus den Konzentrationslagern. Erstellt wird auch ein Verzeichnis von Camps für Displaced Persons, das gemeinsam mit Experten vervollständigt werden soll. Der ITS legte 2010 erstmals ein pädagogisches Konzept vor und veranstaltete gemeinsame Projekte mit Schülern.

Debatte um die Zukunft

Auf der Jahresversammlung des Internationalen Ausschusses im Mai 2011 in Brüssel wurde ein Abkommen besprochen, das die Rolle des Bundesarchivs als künftigem institutionellem Partner des ITS ab 2013 beschreibt. Die Notwendigkeit zu dem neuen Vertragswerk ergibt sich, da das IKRK seinen geplanten Rückzug aus der Leitung und Verwaltung des ITS für Dezember 2012 bekannt gegeben hat.

Bereits im Mai 2010 hatte sich der Internationale Ausschuss in Washington auf den Entwurf eines ersten Abkommens verständigt, das die Aufgaben des ITS um die Katalogisierung, historische Forschung, Bildung und Erinnerungsarbeit erweitert. Zugleich schreibt der Entwurf den Standort Bad Arolsen und den internationalen Charakter der Einrichtung fest. „Die beiden geplanten Verträge werden die mit der Öffnung des Archivs begonnene schrittweise Weiterentwicklung des Suchdienstes in ein Zentrum für Forschung, Information und Bildung auf eine formelle Basis stellen“, so Blondel. „Von Seiten des IKRK werden wir den ITS bestmöglich auf seine neue Rolle vorbereiten und einen reibungslosen Wechsel im Management ermöglichen.“

Den Vorsitz im Internationalen Ausschuss übernahm für dieses Jahr Frankreich von Belgien. Den Vorsitz der Strategischen Arbeitsgruppe, die die Verträge aushandelt, behält Polen.

Zahl der Mitarbeiter und Finanzen

Die Zahl der Mitarbeiter belief sich zum 1. Januar 2011 auf 297 (2010: 307, 2009: 314) bei 251 Stellen (2010: 261, 2009: 270). Der Trend einer allmählichen Reduzierung des Personals wird sich fortsetzen, da in den kommenden Jahren einige Mitarbeiter in Rente gehen und frei gewordene Stellen in der Regel nicht nachbesetzt werden. Die Gesamtausgaben des ITS beliefen sich im vergangenen Jahr auf 14,682 Millionen Euro. Sie wurden durch den Bundeshaushalt getragen. Rund 80 Prozent der Kosten entfielen auf die Personalausgaben.

Rechtsgrundlagen des ITS

Die Aufsicht über die Arbeit des Internationalen Suchdienstes obliegt einem Internationalen Ausschuss aus Vertretern von elf Mitgliedsstaaten (Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Israel, Italien, Luxemburg, Niederlande, Polen, USA). Grundlage sind die Bonner Verträge von 1955 sowie das Änderungsprotokoll von 2006. Der Ausschuss erstellt die Richtlinien für die Arbeiten des ITS und überwacht diese im Sinne der ehemaligen Verfolgten. Im Auftrag des Ausschusses wird der ITS durch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) geleitet und verwaltet.