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ITS bietet pädagogische Projekte an

Der Internationale Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen hat die Angebote für seine pädagogische Arbeit an Bildungseinrichtungen versandt. Im Mittelpunkt stehen schulische Projekte in Hessen sowie bundesweite Seminare an Universitäten, Workshops und Vorträge zur NS-Verfolgung. „Die Pädagogik und damit einher gehende Publikationen werden in Zukunft wichtige Säulen des ITS bilden“, sagte Dr. Susanne Urban, Leiterin des Bereichs Forschung. „Ergebnisse und Einsichten der Historiker sollten auch vermittelt werden.“

Die pädagogischen Angebote des ITS für die Zusammenarbeit mit Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen gehen von drei zentralen Elementen aus: den Biografien von NS-Verfolgten, der Darstellung von Tätern und Zuschauern sowie den Leistungen von Helfern und Rettern als Modelle für Zivilcourage. „Wir sehen uns verpflichtet, die Bedeutung der in unserem Archiv verwahrten Dokumente den nachwachsenden Generationen zu vermitteln“, erläuterte Urban. „Noch stehen unsere pädagogischen Programme am Anfang, aber sie laufen bereits gut an. Wir haben zunächst Schülerprojekte auf regionaler Ebene gestartet und bieten jetzt Seminare in der Lehrerausbildung und -fortbildung an.“

Thematisch widmen sich die Seminare, Workshops und Schulprojekte den Deportationen als Abbild der nationalsozialistischen Verschleppungs- und Vernichtungspolitik, dem Holocaust, der Verfolgung von Sinti und Roma, der Zwangsarbeit mit regionalen Schwerpunkten, der deutschen Besatzung und ihren Auswirkungen in verschiedenen Staaten, den Todesmärschen sowie den Displaced Persons. „Die Dokumente des ITS bieten einen perfekten Ansatz für multi-ethnische Lerngruppen, um sich mit den Folgen von Intoleranz und Rassismus zu befassen – aber auch mit der Zwangsmigration“, sagte Urban.

Die Bildungsangebote für Jugendliche und Erwachsene können einzelne Tage, aber auch eine komplette Projektwoche umfassen. Daneben ist die Begleitung von längerfristigen Workshops und Seminaren möglich. Fortbildungen für Pädagogen der schulischen wie außerschulischen Bildung werden ebenfalls angeboten. Ein Tagesprogramm umfasst eine Führung, die Einweisung in die Recherchemöglichkeiten sowie einen Workshop mit ausgewählten Dokumenten. Ein Wochenprogramm beinhaltet verschiedene Vorträge und Workshops, eigene Recherchen sowie Besuche von in der Region befindlichen Gedenkorten.

Vergangenen September hatte der ITS erstmals sein pädagogisches Konzept vorgestellt, mit dem die Bildungsarbeit der Institution begonnen wurde. Seitdem sind bereits verschiedene Projekte umgesetzt worden. Studierende der Universität Kassel erarbeiten derzeit in einem zweisemestrigen Projekt zusammen mit dem ITS Unterrichtsmaterialien für Schüler der Mittel- und Oberstufe. Sie behandeln die Schicksale von Kindern, die die nationalsozialistische Herrschaft überlebt hatten. „Diese Lebensgeschichten sind insbesondere in der Jugendbildung wichtig, um Empathie und Wissen zu vermitteln“, äußerte Urban.

Interessenten können sich direkt an den Bereich Forschung wenden unter Telefon 05691/629 321 oder per Email. Das pädagogische Konzept sowie ein Flyer zu den Angeboten der Bildungsarbeit stehen als Download zur Verfügung.