a A

ITS bietet seinen Service in der Ukraine an

Der Internationale Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen möchte sein Archiv und seine Dienstleistungen verstärkt auch in den osteuropäischen Ländern anbieten. Diese Woche sprachen Repräsentanten des ITS und des Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), das die administrative Leitung des ITS inne hat, mit Vertretern von Archiven, Opferverbänden und Forschungseinrichtungen in der Ukraine und dem Nationalen Ukrainischen Roten Kreuz. „Wir wollen es den Familienangehörigen von Opfern der NS-Verfolgung ermöglichen, noch offene Schicksalsfragen zu klären“, sagte der IKRK-Berater für den ITS, Udo Wagner. „Zudem streben wir Kooperationen auf dem Gebiet der Forschung an.“

Der Internationale Suchdienst klärt die Schicksale von Opfern der NS-Verfolgung und sucht auch heute noch nach Familienangehörigen, die sich in Folge der Wirren des Zweiten Weltkrieges aus den Augen verloren haben. „Im Sinne der letzten Überlebenden und ihrer Familien wollen wir unseren Service in der Ukraine stärker bekannt machen“, so Wagner. „Auch die zweite und dritte Generation will die Umstände verstehen, unter denen ihre Familienangehörigen damals verschleppt oder ermordet wurden.“

Viele Osteuropäer haben erst seit dem Ende des Kalten Krieges die Chance, ungehindert mit dem ITS in Kontakt zu treten. „Doch auch wenn das Archiv jetzt allen offen steht, sind der ITS und seine kostenlosen Dienstleistungen in der Ukraine noch zu wenig bekannt“, sagte Wagner. Der ITS bietet seine Website jetzt auch in russischer Sprache an. Die neue Version ging anlässlich des 65. Jahrestages des Kriegsendes im Mai 2010 online. „Natürlich haben wir nicht auf alle Fragen eine Antwort“, räumte Wagner ein. „Zahlreiche Dokumente sind infolge des Krieges verbrannt oder wurden durch die SS vernichtet, um keine Beweise ihrer Verbrechen zu hinterlassen. Doch jede noch so kleine Information hat häufig einen hohen emotionalen Wert für die Betroffenen und ihre Familienangehörigen.“

Der ITS ist eines der weltweit größten Archive mit Originaldokumenten zur NS-Verfolgung. Der Gesamtbestand umfasst Blatt an Blatt rund 26.000 laufende Meter an Dokumenten aus Konzentrationslagern, Aufzeichnungen zur Zwangsarbeit und Unterlagen über Displaced Persons aus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Zentrale Namenkartei – der Schlüssel zu den Dokumenten – enthält 50 Millionen Hinweiskarten zum Schicksal von 17,5 Millionen Menschen.

Darunter befinden sich Millionen von Zwangsarbeitern aus Osteuropa, die ins Deutsche Reich verschleppt wurden und unter menschenunwürdigen Bedingungen in Fabriken oder in der Landwirtschaft arbeiten mussten. Die Namen von politischen Gefangenen, die in Konzentrationslagern inhaftiert waren, können ebenso gefunden werden wie Opfer des Holocaust. „Für die Forschung bieten diese Dokumente einen tiefen Einblick in die Mechanismen der NS-Verfolgung und die Folgen des Zweiten Weltkrieges für Millionen von Menschen“, erläuterte Wagner. Daneben liegen im Archiv Registrierungen und Emigrationslisten von Displaced Persons vor, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht in ihre Heimat zurückkehrten, sondern auswanderten.

Seit November 2007 steht das Archiv des Internationalen Suchdienstes der Forschung offen. Der ITS unterstützt Einzelrecherchen von Wissenschaftlern, ermöglicht die Forschung und bringt die Vernetzung mit Universitäten und anderen Einrichtungen voran. Zugleich kann die Dokumentation auch für die pädagogische Arbeit genutzt werden. „Die Erkenntnisse der Forschung in Ost und West untereinander auszutauschen und zusammenzubringen, wird unser Verständnis über die Geschichte des Zweiten Weltkrieges bereichern und uns helfen, die richtigen Schlüsse für künftige Generationen zu ziehen“, so Wagner.