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ITS schließt längerfristige Kooperation mit der Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen

Der Internationale Suchdienst (ITS/International Tracing Service) hat heute mit der Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Mit Beginn des Schuljahres 2011/2012 ist eine langfristige Zusammenarbeit im Rahmen von regelmäßigen Besuchen des Archivs, kleineren Einzelprojekten bis hin zu Kursen zu ausgewählten Themen geplant. Jean-Luc Blondel, Direktor des ITS, und Dr. Matthias Bohn, stellvertretender Schulleiter, haben die Kooperation unterstützt und stimmen überein, dass die Unterlagen des ITS für schulischen wie außerschulischen Unterricht eine unschätzbare Quelle darstellen. „Anhand der Dokumente können den Schülern die Strukturen der NS-Verfolgung, aber auch Einzelschicksale der Menschen während der Verfolgung sowie nach der Befreiung nahe gebracht werden“, sagt Blondel.

Zukünftig werden die Schüler der 9. Klassen eine themenspezifische Führung durch das Archiv des ITS bekommen. Dabei werden sowohl die Curricula des Landes Hessen als auch die Lernziele der Schule berücksichtigt. „Wir wollen die Schüler früh auf die Geschichte und den ITS aufmerksam machen“, so Annette Marterer, verantwortliche Pädagogin für die Kooperation seitens der Schule.

Im Rahmen der jährlichen Projektwoche werden sich die Schüler schwerpunktmäßig mit einzelnen Themen befassen, die jedes Jahr neu festgelegt werden. Angeboten werden Themen wie beispielsweise Deportationen als Abbild der nationalsozialistischen Verschleppungs- und Vernichtungspolitik, der Holocaust, der Massenmord an Sinti und Roma, die weitreichende Zwangsarbeit mit regionalem Schwerpunkt, die Todesmärsche oder die Wege der Displaced Persons. „Der ITS als außerschulischer Lernort verspricht den Zugang zu authentischen Materialien. Die Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten und die Geschichte aus der unmittelbaren Umgebung zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung können hier vermittelt werden“, sagt Marterer.

Die Christian-Rauch-Schule ist die erste Schule der Region, die eine längerfristige Zusammenarbeit mit dem ITS im Bereich Bildung auch formell vereinbart hat. Für seine pädagogische Arbeit stellte der ITS im vergangenen Jahr sein Konzept vor. Dieses umfasst neben schulischen Projekten auch Seminare an Universitäten, Workshops und Vorträgen und geht von drei zentralen Elementen aus: den Biografien von NS-Verfolgten, den Handlungsoptionen von Tätern und Zuschauern sowie den Leistungen von Helfern und Rettern als Modelle der Zivilcourage. „Die Verbindung dieses schweren Themas mit menschlichen Schicksalen ist in der Pädagogik von großer Bedeutung“, meint Dr. Susanne Urban, Leiterin des Bereichs Forschung beim ITS. „Hier lernen Schüler sich mit der immer weiter zurück liegenden Geschichte zu verbinden und Verantwortung auch für den Mitmenschen heute zu übernehmen.“