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ITS unterstützt Zeitzeugen-Projekt von Jugend für Dora

Der Internationale Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen hat eine Kooperation im Rahmen des Projektes „Die Zukunft der Zeitzeugen“ des Vereins „Jugend für Dora“ übernommen. Das Projekt will einen Beitrag dazu leisten, Überlebende der NS-Verfolgung in die Diskussion um die künftige Erinnerungsarbeit mit einzubeziehen. Sechs an dem Projekt beteiligte junge Menschen aus Leipzig kamen jetzt für einen dreitägigen Forschungsbesuch nach Bad Arolsen. „Wir freuen uns, wenn wir die Studenten und Jugendlichen bei ihrer Forschungsarbeit unterstützen können“, sagte ITS-Historikerin Susanne Urban. „Die Stimme der Überlebenden darf nicht verstummen.“

In einigen Jahren werden die Zeitzeugen der NS-Verbrechen nicht mehr persönlich auf Gedenkveranstaltungen und Jahrestagen der Befreiung von Konzentrationslagern von ihren Erfahrungen berichten können. „Die Erinnerungskultur steht vor einem Umbruch“, so Urban. Deshalb führen rund 20 junge Menschen vom Projekt „Die Zukunft der Zeitzeugen“ seit Juli 2009 dreitägige Gespräche mit Überlebenden in den verschiedensten Ländern. Auf Video werden deren persönlichen Erinnerungen, aber auch ihre Vorstellungen von einem künftigen Gedenken an die NS-Verbrechen und den millionenfachen Mord am europäischen Judentum festgehalten. „So bringen wir die Erwartungen, Vorstellungen und Wünsche der Zeitzeugen in die Debatte um die künftige Erinnerungskultur mit ein“, erläuterte der 27-jährige Geschichtsstudent Martin Winter aus Leipzig. „Jede Begegnung mit Überlebenden ist eine gute Erfahrung, aus der wir viel mitnehmen können.“

Beim ITS haben sich die sechs Vertreter von „Jugend für Dora“ für drei Tage mit dem Aufbau des Archivs vertraut gemacht. In den kommenden Wochen wollen sie biografische Daten zu den einzelnen Opfern recherchieren. „Die große Anzahl an Dokumenten im Archiv des ITS ist beeindruckend und schockierend zugleich. Hier wird das Einzelschicksal auf sehr persönliche Weise greifbar. Einen respektvollen Umgang mit den Daten halte ich für wichtig“, sagte die 29-jährige Übersetzerin Kathy Prochaska aus Leipzig. Neben einer Begleitung der Forschungsarbeit bietet ITS-Historikerin Urban den jungen Menschen Workshops an, aktuell zur „Erinnerungskultur in Israel“.

Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollen kommendes Jahr auf einer interaktiven Internetplattform präsentiert werden. Darüber hinaus soll eine Broschüre entstehen. Finanziell gefördert wird das Projekt aus Mitteln der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ im Rahmen des Programms „Schichten der Erinnerung“ der Geschichtswerkstatt Europa. Weitere Kooperationspartner sind die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, die Internationale Schule für Holocaust Studien Yad Vashem und die Stiftung West-Östliche Begegnungen.

Über den Verein „Jugend für Dora“

Der Verein „Jugend für Dora“ wurde 1995 auf Initiative ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora gegründet. Anliegen der Überlebenden war es, dass die junge Generation ihre Erinnerung bewahrt und weiter trägt. Die internationalen Mitglieder des Vereins setzen sich in verschiedenen Projekten und Workshops kritisch mit der Geschichte des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora und dem Holocaust auseinander. Das Projekt „Die Zukunft der Zeitzeugen“ ist Anfang des Jahres 2009 mit den ersten Vorbereitungen gestartet. Anfang kommenden Jahres sollen bereits erste Ergebnisse präsentiert werden. Mehr Informationen gibt es unter zukunftderzeitzeugen.blogsport.de/verein/.

Über den Internationalen Suchdienst

Der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen (ITS) dient Opfern der Naziverfolgung und deren Angehörigen, indem er ihr Schicksal mit Hilfe seiner Archive dokumentiert. Der ITS bewahrt diese historischen Zeugnisse und macht sie der Forschung zugänglich.

Der ITS untersteht den elf Staaten (Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Luxemburg, Niederlande, Polen, Großbritannien, USA) des Internationalen Ausschusses. Grundlage sind die Bonner Verträge von 1955 und das Änderungsprotokoll von 2006. Im Auftrag des Ausschusses wird der ITS vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) geleitet. Weitere Informationen zum Internationalen Suchdienst finden Sie unter www.its-arolsen.org.