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ITS verzeichnet hohe Anfragenzahlen

Im Jahr 2016 hat der International Tracing Service (ITS) 15.635 Anfragen erhalten. Die erneut leicht gestiegenen Zahlen zeigen: Auch mehr als 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs hält das Interesse an den Schicksalen der NS-Verfolgten an.

Weltweit leben Menschen mit ungeklärten Fragen über die Schicksale ihrer Angehörigen, die durch das NS-Regime ermordet, verfolgt oder verschleppt wurden. Für sie ist der International Tracing Service (ITS) ein zentraler Ansprechpartner, denn in dem von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe ernannten Archiv befinden sich Dokumente über die Verfolgungsschicksale von rund 17,5 Millionen Menschen. Im Jahr 2016 sind die Anfragen verglichen mit dem Vorjahr leicht gestiegen: 15.635 Antragsteller wendeten sich an den ITS, 2015 lag die Zahl bei 15.418. Rund 15 Prozent der Anfragen (2.189) kamen 2016 von Forschern, Wissenschaftlern und Pädagogen.

Über 2.000 Mal traten Überlebende der NS-Verfolgung 2016 in Kontakt mit dem ITS. Ein Grund dafür sind Renten für bisher ausgeklammerte Opfergruppen. Durch eine Änderung in der polnischen Gesetzgebung erhalten jüdische NS-Verfolgte Renten, die zur Zeit der Verfolgung in Polen waren, seitdem aber außerhalb des Landes leben. Hinzu kommt die Reform der Ghettorenten, die nach einer Schätzung der Deutschen Bundesregierung für circa 40.000 noch lebende Ghetto-Arbeiter bedeutsam ist. Um die Renten zu erhalten, benötigen die Überlebenden vom ITS Bescheinigungen über Verfolgung und Inhaftierung. „Die Anfragen der hochbetagten Überlebenden haben beim ITS derzeit absoluten Vorrang“, erklärt ITS-Direktorin Floriane Hohenberg. „Wir tun alles, damit sie schnellstmöglich ihre Ansprüche geltend machen können. Mit dem polnischen Amt für Kriegsveteranen und Opfer von Unterdrückung gibt es eine enge Zusammenarbeit. Der ITS stellt die Unterlagen für eine zügige Abwicklung direkt auf Polnisch zur Verfügung.“

Deutlich gestiegen ist die Zahl der Personen, zu denen die Antragsteller Informationen gesucht haben. Bezogen sich die Anfragen 2015 noch auf 21.909 Personen, stieg die Zahl 2016 um zwölf Prozent auf 24.456. Menschen aus Ländern rund um den Globus traten in Kontakt zum ITS. Im vergangenen Jahr kamen die Anfragen aus 73 Nationen, vor allem aber aus Deutschland (3.267), darauf folgen Polen (2.469), die Russische Föderation (1.702) und die Vereinigten Staaten (1.325). „Wir erfahren in unserer Arbeit, dass die nachfolgenden Generationen ein sehr großes Interesse daran haben, die eigene Geschichte kennenzulernen und Wissenslücken zu schließen“, so Floriane Hohenberg. „Zudem wirken sich unsere Anstrengungen aus, den ITS bekannter zu machen. Damit zum Beispiel Menschen in mittelost- und osteuropäischen Ländern erfahren, an wen sie sich mit ihren Fragen wenden können.“ 

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