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Kartei über jüdische NS-Verfolgte online

Der International Tracing Service (ITS) hat zwei neue Bestände in seinem Online-Archiv veröffentlicht: die Kartei der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland sowie weitere Dokumente zu Todesmärschen aus Konzentrationslagern.

Die erhaltenen Überreste der Kartei der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland umfassen 32.264 Meldekarten, insbesondere zu jüdischen Schülern, Emigranten und Verstorbenen. Diese Karten können Interessierte in aller Welt nun einsehen. Zum anderen hat der ITS zusätzlich 15.000 Dokumente über die Todesmärsche online gestellt, von denen ein erster Teilbestand bereits 2015 auf dem Internet-Portal publiziert wurde. „Wir haben zwei kleine, aber für die Öffentlichkeit besonders interessante Bestände ausgewählt. Sie schließen die erfolgreiche Testphase des Online-Archivs ab“, erklärt ITS-Direktorin Floriane Hohenberg. „Es werden weitere und umfangreichere Bestände folgen, mit denen wir die Dokumente über Deportationen, Holocaust und Zwangsarbeit international zugänglich machen möchten.“

Das Archiv des ITS in Bad Arolsen ist eine der größten Sammlungen von Dokumenten über NS-Verfolgung und die Nachgeschichte dieser Verbrechen. Um möglichst vielen Interessierten den Zugang zu diesem UNESCO Weltdokumentenerbe zu ermöglichen, hat der ITS 2015 ein Online-Archiv eingerichtet. Es bietet einen direkten Zugriff auf die Dokumente und eine Beschreibung der jeweiligen Bestände. Im Zuge der weiteren Erschließung von Archivbeständen wird das Portal kontinuierlich ausgebaut. Ergänzt wurde mit der neuen Onlinestellung eine zentrale Suchfunktion, mit der übergreifend in allen verfügbaren Beständen nach Namen und Ortsnamen recherchiert werden kann. Insgesamt hat der ITS nun rund 170.000 Images (80.000 Dokumente) im Online-Archiv veröffentlicht.

Was die Kartei über die jüdischen Verfolgten „erzählt“

Von der Kartei der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland ist nur ein kleiner Teil erhalten. Auf den Karten finden sich neben Namen auch Informationen wie Geburtsdaten, Berufe sowie Adressen aus der Zeit vor den Massendeportationen der jüdischen Bevölkerung ab 1941. Hermann Göring hatte 1939 die Gründung der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland angeordnet. Alle Menschen, die nach den Nürnberger Gesetzen als Juden galten, mussten sich melden. Diese Kartei diente der Gestapo dazu, die Deportationen zu organisieren. Zwischen 1947 und 1950 gelangten 32.264 Karten aus dieser Kartei ins Archiv des ITS. Darunter befindet sich zum Beispiel die „Berliner Schülerkartei“, die vom Leben der jüdischen Kinder während der Verfolgung zeugt und biografische Angaben zu den Kindern und ihren Eltern sowie Informationen zu den besuchten Schulen enthält.

Vor der Online-Stellung hat der ITS den Bestand der Kartei der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland in einem Pilotprojekt für eine breitere wissenschaftliche Nutzung vorbereitet.

Dokumente über die Todesmärsche

In den späten 1940er Jahren hat der ITS an der Rekonstruktion der Todesmärsche gearbeitet und Augenzeugenberichte sowie Lagepläne von Grabstellen zusammengetragen. 1950 wurde eine sogenannte „Identification Unit“ gegründet, mit dem Ziel, den vielfach unbekannten Toten ihre Namen zurückzugeben. Die Dokumente über die versuchte und in zahlreichen Fällen auch gelungene Identifikation der NS-Opfer ergänzen nun den Bestand über die Todesmärsche im Online-Archiv des ITS.

Im Online-Portal sind die Todesmärsche mit georeferenzierten Dokumenten auf einer Landkarte veranschaulicht. Wenn Nutzer auf Ortsnamen klicken, sehen sie die damit in Verbindung stehenden Dokumente, zum Beispiel die Antworten auf Fragebögen, die an Kommunen geschickt worden waren oder jetzt neu die Unterlagen über das Identifikations-Programm.

Link zum Online-Archiv: digitalcollections.its-arolsen.org

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