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Kooperation zwischen der Freien Universität Berlin und ITS bei Online-Archiv zur Zwangsarbeit

Die Freie Universität Berlin und der Internationale Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen werden bei der Erschließung des Online-Archivs „Zwangsarbeit 1939-1945. Erinnerungen und Geschichte“ zusammenarbeiten. „Wir erhoffen uns aus dem umfangreichen Archiv des ITS wertvolle Informationen zum Schicksal der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter während des Nationalsozialismus“, sagte Professor Dr. Nicolas Apostolopoulos, Projektleiter am Center für Digitale Systeme (CeDiS), das zusammen mit dem Osteuropa-Institut an der Freien Universität Berlin das Online-Projekt umsetzt.

Das digitale Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“ bewahrt die Erinnerung an über zwölf Millionen Menschen, die für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit geleistet haben. 590 Zeitzeugen aus 26 Ländern erzählen ihre Lebensgeschichten in 393 Audio- und 190 Video-Interviews. Transkripte, Kurzbiografien und weitere Dokumente wie Fotografien ergänzen das Zeitzeugen-Archiv. Das Projekt ist eine Kooperation der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ mit der Freien Universität Berlin und dem Deutschen Historischen Museum. Seit Januar 2009 sind die Interviews und die weiteren Materialien über die Online-Plattform www.zwangsarbeit-archiv.de für Bildung und Wissenschaft zugänglich.

Im Rahmen der Zusammenarbeit wird der ITS nun vor allem biografische Daten zu den Beschäftigungszeiten und -orten der interviewten Zeitzeugen liefern können. Daneben kann der ITS Originaldokumente in digitaler Form zur Verfügung stellen und damit die Erschließung des Bestandes der Sammlung unterstützen. „Die Dokumente zeugen von der ungeheuren Dimension der Zwangsarbeit, bieten aber auch ganz konkrete Informationen über die Lebensbedingungen der Arbeiter, ihren Einsatz in bestimmten Regionen oder bei einzelnen Arbeitgebern“, erläuterte ITS-Archivleiter Udo Jost. Alle Bereiche des Wirtschaftslebens, ob im Bergbau, in der Industrie, der Landwirtschaft, der Verwaltung oder im Handwerk, bedienten sich damals der Zwangsarbeiter.

Der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen ist eines der weltweit größten NS-Archive. Es dokumentiert das Schicksal von Millionen ziviler Opfer des nationalsozialistischen Regimes. Insgesamt lagern im Archiv des ITS über 6,7 Millionen Dokumente allein zum Thema Zwangsarbeit. Dazu zählen unter anderem Arbeitsbücher, Krankenakten, Versicherungsunterlagen sowie Angaben von Behörden, Krankenkassen und Arbeitgebern. „Wir freuen uns, wenn wir die Aussagekraft der Zeitzeugen-Interviews in dem Online-Archiv mit Hilfe unserer Dokumentation untermauern können. Die Schilderungen der Zeitzeugen sind das lebendige Gedächtnis an ein mörderisches System der Ausbeutung und Ausgrenzung“, so Jost.

Für die Freie Universität Berlin sei es die erste derartige Kooperation mit dem ITS, sagte Professor Apostolopoulos. „Wir gehen davon aus, dass weitere folgen werden.“ Auch Professorin Gertrud Pickhan, wissenschaftliche Leiterin des Projekts am Osteuropa-Institut der Freien Universität, erhofft sich für die Zukunft den Aufbau eines Forschungsnetzwerkes zum Thema Geschichte der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus.

Kontakt für Presseanfragen:

Freie Universität Berlin
Center für Digitale Systeme (CeDiS)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Katja Egli
Telefon: +49 (0)30 / 838 53705
Mobil: +49 (0) 170 / 7818424
E-Mail: kegli@cedis.fu-berlin.de
www.cedis.fu-berlin.de

Internationaler Suchdienst Bad Arolsen
Kathrin Flor
Pressesprecherin
Tel.: +49 (0)5691 / 629 116
Mobil: +49 (0) 170 / 900 84 95
E-Mail: communications@its-arolsen.org