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Kooperation zwischen ITS und Wilhelm-Filchner-Schule Wolfhagen

Der Internationale Suchdienst (ITS/International Tracing Service) hat heute mit der Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Mit Beginn des Schuljahres 2012/2013 werden eine jährliche Geschichtswerkstatt der gymnasialen Oberstufe sowie verschiedene Projektarbeiten zur nationalsozialistischen Verfolgung stattfinden. Fächerübergreifend können die Schüler das Archiv des ITS für Präsentationen und Hausarbeiten zukünftig nutzen. „Dank dieser Zusammenarbeit können sich unsere Schüler mit dem Thema Nationalsozialismus so auseinandersetzen, dass die Menschen, die verfolgt und getötet wurden, im Vordergrund stehen“, sagte Schulleiterin Rita Schmidt-Schales. „Dieser persönliche und regional geprägte Zugang kann einen Grundstein für eine verantwortungsvolle Haltung legen angesichts der Tendenzen von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in der heutigen Zeit.“

Der heute geschlossenen Vereinbarung gingen bereits zwei Geschichtswerkstätten voraus. „Mit der Methode des Forschens und entdeckenden Lernens haben wir gute Erfahrungen gemacht“, so Studienrat Marcus von der Straten. „Die Zeit des Nationalsozialismus bringen wir den Schülern heute nicht mehr nur über das Faktenwissen aus Schulbüchern nahe. Vielmehr wollen wir Geschichte auch anhand von konkreten Schicksalen vermitteln und erfahrbar machen.“ Ein möglicher Schwerpunkt der künftigen Geschichtswerkstätten sind das nationalsozialistische Terrorsystem und dessen Auswirkungen auf Menschen, wie etwa die Verfolgung von Juden und Sinti aus Nordhessen. Auch Überlebende, die nach dem Krieg in Camps für Displaced Persons in dieser Region lebten, sollen thematisiert werden.

„Nach der erfolgreichen Testphase klopfen wir heute eine langfristige Zusammenarbeit fest“, freute sich Dr. Susanne Urban, Bereichsleiterin Forschung beim ITS. „Damit ist die Wilhelm-Filchner-Schule die zweite Schule in der Region, mit der wir im Bereich Bildung kooperieren.“ Mit Hilfe des digitalen Archivs und der Bibliothek können die Schüler Schicksale von Verfolgten während des NS-Regimes nachzeichnen. Die Ergebnisse werden im Unterricht weiter ausgewertet und in den Kontext der allgemeinen Informationen über den Nationalsozialismus gestellt.

„Die Verbindung dieses schweren Themas mit menschlichen Schicksalen ist in der Pädagogik von großer Bedeutung“, erklärte Urban. „Auf diese Weise lernen Schüler auch Verantwortung für den Mitmenschen heute zu übernehmen.“ Die pädagogische Arbeit des ITS umfasst schulische Projekte, Seminare an Universitäten, Workshops und Vorträge und geht von drei zentralen Elementen aus: den Biografien von NS-Verfolgten, den Handlungsoptionen von Tätern und Zuschauern sowie den Leistungen von Helfern und Rettern als Modelle der Zivilcourage.