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Neues Findbuch zu „Lebensborn“-Beständen

Der Internationale Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen hat heute ein neues Findbuch zu seinen Dokumentenbeständen über den von der SS getragenen Verein „Lebensborn“ im Internet veröffentlicht. Der ITS verfügt mit insgesamt 529 Akten über einen Großteil der wenigen überlieferten Originaldokumente des Vereins, wie etwa die von Heinrich Himmler signierte Vereinssatzung. „Für die Forschung wird das Findbuch von besonderem Interesse sein, da dieser Bestand des ITS noch weitgehend unbekannt ist“, sagte Archivar Karsten Kühnel, der die Erschließung beim ITS leitet. „Die Dokumente ermöglichen einen guten Einblick in die internen Strukturen der Organisation.“

Es handelt sich bei den Dokumenten um die Reste der schriftlichen Überlieferung des SS-Vereins, die bei Kriegsende in Oberbayern vor der Vernichtung hatten gerettet werden können. „In den Akten der Hauptabteilung Gesundheitswesen, des Vorstands und einer umfangreichen Privatkorrespondenz des Lebensborn-Chefarztes und Heimleiters Gregor Ebner spiegelt sich ein zentraler Wirkungsbereich dieser rassepolitischen SS-Organisation wider“, erläuterte Kühnel. Ziele des von der SS getragenen Vereins waren die Erhöhung der Geburtenrate „arischer“ Kinder durch anonyme Entbindungen und Adoptionen sowie die ideologische Erziehung der Kinder im Sinne des Nationalsozialismus. In den Lebensborn-Heimen wurden auch verschleppte Kinder aus den von Deutschland besetzten Gebieten untergebracht, die dem rassistischen Ideal der NS-Ideologen entsprachen.

Im Sommer 1948 hatte der ITS die Dokumentenbestände vom Berlin Document Center erhalten, da der Suchdienst nach dem Ende des Krieges die wahre Identität zwangsweise eingedeutschter Kinder klärte. Die jetzt verzeichneten Akten behandeln die Betreuung von Müttern und Kindern in den Heimen des Lebensborn, insbesondere die Unterstützung von bedürftigen und alleinstehenden Müttern, die Verhältnisse während der Heimaufenthalte, Probleme bei der Lebensmittel- und Medikamentenversorgung, medizinische Fragen sowie den Umgang mit behinderten und verhaltensauffälligen Kindern. Verhältnismäßig umfangreich sind die 22 Akten mit ärztlichen Statistiken sowie die Unterlagen zum Lebensbornpersonal. Daneben finden sich auch Akten zur allgemeinen Vereins- und Heimverwaltung sowie zur Bau- und Liegenschaftsverwaltung.

Eine Ergänzung zum Bestand des ITS bilden die rund 100 Verzeichnungseinheiten von Lebensbornakten im Bundesarchiv. „An der Geschichte und der Funktion des ‚Lebensborn’ Interessierte sind nun in der Lage, sich von zu Hause aus über die Akten des Internationalen Suchdienstes zu informieren und einen Archivbesuch optimal vorzubereiten“, so Kühnel. Mit dem neuen Online-Findbuch wird das bisherige Angebot des ITS an archivischen Findmitteln ergänzt, das sukzessive erweitert werden soll. Für den ITS ist die bessere Erschließung seiner Dokumentenbestände eine vordringliche Aufgabe, nachdem das Archiv vor vier Jahren für die historische Forschung geöffnet wurde. Das Findbuch steht online unter www.its-arolsen.org im Bereich Archive/Findbücher.www.its-arolsen.org/de/das_archiv/findbuecher/index.html