a A

Pädagogische Handreichung über die Kartei der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland

Der International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen und die Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum haben heute eine Pädagogische Handreichung über die Kartei der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, die zum Archivbestand des ITS gehört, vorgestellt. Die Publikation unter dem Titel „Karteikarten und Menschen – Fenster in die Vergangenheit“ enthält fünf Schicksale Berliner jüdischer Kinder und Jugendlicher, denen es gelang, die Shoah zu überleben. Dr. Hermann Simon betont: „Der nur teilweise überlieferte Bestand im Archiv des ITS ist für Forschung, Lehre und vor allem die pädagogische Arbeit von entscheidender Bedeutung.“

In einer Kooperation zwischen dem ITS, der Stiftung Neue Synagoge - Centrum Judaicum Berlin und der Freien Universität Berlin entstand die Handreichung, um die Öffentlichkeit und Wissenschaftler auf diesen einzigartigen Fundus aufmerksam zu machen und einen ersten Zugang zu ermöglichen. Unterstützt wurde das Projekt von der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin. Ausgesandt wird das pädagogische Material an Pädagogen der universitären, schulischen und außerschulischen Bildung, Lehramtsstudierende, Mitarbeiter von Gedenkstätten, Museen und Einrichtungen, die sich in der Bildung engagieren.

Im Januar 1939 wurde auf Anordnung Hermann Görings die „Reichsvereinigung der Juden“ in Deutschland gegründet. Diese war eine Zwangsorganisation, der sämtliche im Altreich lebenden deutschen und „staatenlosen“ Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen als Juden galten, angehören mussten. Sie war für alle Lebensbereiche der Juden „zuständig“. Zugleich diente sie als „Verbindungsstelle“ zwischen Staat und jüdischer Bevölkerung, über die die Arbeit der jüdischen Einrichtungen überwacht sowie die antisemitischen Diskriminierungsmaßnahmen bekannt gemacht wurden. „Die Kartei im Archiv des ITS enthält mehr als 32.000 Hinweise auf damals in Deutschland lebende Juden. Welch ein Fundus für die Bildung und Forschung“, unterstreicht Dr. Susanne Urban, Leiterin der Forschung und Bildung beim ITS. „Der ITS möchte gemeinsam mit dem Centrum Judaicum dieses Potenzial nutzen und Aktivitäten bündeln beziehungsweise koordinieren.“