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Überlebt und dann vergessen

Was geschah mit den Millionen von Menschen, die Zwangsarbeit, Verschleppung und die Konzentrationslager überlebten und nach der Befreiung von den Alliierten versorgt wurden? In Dachau widmen sich ein internationaler Workshop und eine Ausstellung dem Schicksal dieser sogenannten „Displaced Persons“.

Sie lebten in Camps, brauchten Nahrung, Kleidung, medizinische Versorgung und vor allem: eine Zukunftsperspektive. Wer historische Fotos sieht, denkt sofort auch an Flüchtlinge heute. Aber es ist 70 Jahre her, und es geht um Millionen ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Verschleppte und NS-Überlebende, darunter eine große Zahl von Kindern und Jugendlichen. Lange Zeit haben sich weder die Öffentlichkeit noch die Forschung für diesen Aspekt der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte interessiert.

Im Max Mannheimer Studienzentrum Dachau findet vom 30. Mai bis zum 1. Juni 2016 ein internationaler wissenschaftlicher Workshop über „Displaced Persons“ (DPs) statt, bei dem Expertinnen und Experten aus den USA, Israel und vielen europäischen Ländern ihre Forschungsergebnisse vorstellen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Thema „Kinder als Überlebende und DPs“. Veranstaltet wird der dreitägige Workshop gemeinsam vom Max Mannheimer Studienzentrum und dem International Tracing Service (ITS), der die weltweit umfangreichste Dokumentensammlung über DPs in seinem Archiv bewahrt.

Öffentlicher Vortrag und Ausstellung

Als Rahmenprogramm zum Workshop gibt es öffentlich zugängliche Veranstaltungen: Am 31. Mai 2016 hält der in Großbritannien lehrende Historiker Johannes-Dieter Steinert einen Vortrag über polnische und sowjetische Kinderzwangsarbeiter. Schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder wurden von den Nationalsozialisten aus Polen und der Sowjetunion zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und unter schlechtesten Lebens- und Arbeitsbedingungen vielfach in der deutschen Kriegswirtschaft eingesetzt. Johannes-Dieter Steinert hat die Geschichte dieser Kinder und Jugendlichen für ein Buchprojekt erforscht.

Im Max Mannheimer Studienzentrum wird zudem ab dem 31. Mai 2016 die ITS-Ausstellung »„Wohin sollten wir nach der Befreiung?“ Zwischenstationen: Displaced Persons nach 1945« gezeigt, die erstmals ein detailreiches und gebündeltes Porträt dieser Zeit mit vielfältigen Informationen über das Leben in den DP-Camps sowie Repatriierung und Emigration gibt.


Daten und Fakten zu Workshop, Vortrag und Ausstellung:

Workshop
„Nach der Befreiung – zur Situation von Überlebenden und Kindern als DPs. Neue Zugänge in Bildung und Wissenschaft“

30. Mai bis 1. Juni 2016, Teilnahmegebühr 65 Euro (ermäßigt 50 Euro), Anmeldeschluss: 15. Mai 2016. Weitere Infos sowie das Programm unter: www.its-arolsen.org/aktuell/veranstaltungen

Öffentlicher Vortrag
„Polnische und sowjetische Kinderzwangsarbeiter im nationalsozialistischen Deutschland und im deutsch besetzten Osteuropa 1939-1945“

Vortrag von Prof. Johannes-Dieter Steinert, 31. Mai 2016, 20.00 Uhr, im Max Mannheimer Studienzentrum Dachau. Keine Anmeldung notwendig

Ausstellung
»„Wohin sollten wir nach der Befreiung?“ Zwischenstationen: Displaced Persons nach 1945«

Eine Ausstellung des International Tracing Service (ITS) im Max Mannheimer Studienzentrum, vom 31. Mai bis 31. Juli 2016. Begleitend zur Ausstellung hat das Max Mannheimer Studienzentrum ein pädagogisches Programm für Gruppen entwickelt, das kostenlos in Anspruch genommen werden kann.

Öffnungszeiten: 10-20 Uhr, Der Eintritt ist kostenlos.

Mehr Infos zur Ausstellung und zum pädagogischen Angebot unter: www.mmsz-dachau