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Verfolgt, in KZs verschleppt, als Opfer aber nicht anerkannt

Manche Überlebenden der NS-Zeit mussten jahrzehntelang um Anerkennung und Entschädigung kämpfen. Der Grund: Sie waren Sinti und Roma. Das am 28. Mai 2014 im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg vorgestellte Buch „Stimmen der Überlebenden des »Zigeunerlagers« Lackenbach“, das auf bisher unbekannten Quellen im Archiv des International Tracing Service (ITS) basiert, dokumentiert dieses Unrecht.

Die Verfolgung und Diskriminierung von Sinti und Roma endete 1945 nicht. Das zeigt der von den Herausgebern, Autoren und dem Stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Dr. Silvio Peritore in Heidelberg präsentierte Band „Stimmen der Überlebenden des »Zigeunerlagers« Lackenbach“, der das Ringen um die Wahrnehmung des erlittenen Leids dokumentiert. Erst 43 Jahre nach Kriegsende wurde das „Zigeunerlager Lackenbach“, in dem durch Misshandlung, Zwangsarbeit, Hunger und Krankheit hunderte Roma und Sinti litten und starben, einem Konzentrationslager gleichgestellt.

Historisch bedeutsame „Fundstücke“ mit aktuellem Bezug

Das Buch ist der erste Band der neuen Reihe „Fundstücke“ des International Tracing Service (ITS), in dem wenig bekannte, aber historisch bedeutsame Zeugnisse aus den Jahren des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit der Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Wir sind froh, mit den Dokumenten Forschung und Bildung begleiten und selbst tätigen zu können. Vorurteilsstrukturen des Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus – die ganze Palette der menschenverachtenden Menschenbilder – sind in den Dokumenten im ITS gespiegelt“, erklärte Dr. Susanne Urban als Mitherausgeberin und Leiterin Forschung und Bildung beim ITS anlässlich der Vorstellung des Buches. Dabei sei es unbedingt beabsichtigt, Bezüge zur Gegenwart herauszustellen, betonte sie.

Der Mitherausgeber und Autor Sascha Feuchert, Leiter der Arbeitsstelle Holocaust-Literatur an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wies in seiner Rede darauf hin, dass wissenschaftliche Forschung durch die Auswahl der Themen das Recht und die Möglichkeit habe, zum Gedenken und, mehr noch, zum engagierten Handeln anzuregen: „Und gerade da wird das Gedenken an die Opfergruppe der Sinti und Roma unbequem, aber auch relevant – denn weiterhin werden Roma in Europa verfolgt, diskriminiert und gedemütigt. Noch immer gibt es in der aufgeklärten EU, gibt es gerade in Deutschland Vorurteile gegen diese Minderheit, die zum Teil brutale Folgen haben.“

Das Buch ist ab sofort erhältlich:

Fundstücke. Stimmen der Überlebenden des »Zigeunerlagers« Lackenbach
Herausgegeben von Susanne Urban, Sascha Feuchert und Markus Roth
Reihe: Fundstücke (Hg. von Susanne Urban, i.A. des International Tracing Service Bad Arolsen); Bd. 01
ISBN: 978-3-8353-1331-6 (2014)
€ 9,90 inkl. Mehrwertsteuer zuzüglich Versand


Bestellungen über den Wallstein-Verlag, Göttingen:
www.wallstein-verlag.de/9783835313316-fundstuecke.html