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Verleihung des Titels „Memory of the World“

Die UNESCO hat dem International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen heute die Urkunde für die Aufnahme in das Register des Weltdokumentenerbes «Memory of the World» überreicht. „Das Archiv des ITS ist von außergewöhnlicher Bedeutung für die Menschheit, da es zu dem Wissen über die Auswirkungen von Krieg auf die Völker beiträgt. Von der Aufnahme erhofft sich die UNESCO, dass seine tatsächliche Bedeutung besser bekannt wird bei Forschern und Bildungseinrichtungen“, sagte Joie Springer von der UNESCO anlässlich einer Feierstunde in der nordhessischen Kleinstadt.

Das Archiv des ITS umfasst rund 30 Millionen Dokumente zur Inhaftierung in Konzentrationslagern, Ghettos und Gestapo-Gefängnissen, über die Zwangsarbeit und das Schicksal der Überlebenden (Displaced Persons). Die Zentrale Namenkartei mit über 50 Millionen Hinweiskarten zum Schicksal von 17,5 Millionen Menschen wurde vom ITS im Laufe der Jahrzehnte aufgebaut. Sie bildet ein wichtiges Hilfsmittel bei der Recherche nach Einzelschicksalen. „Die Wunden, die die nationalsozialistische Verfolgung gerissen hat, wirken bis heute nach. Daher sind der Schutz der Dokumente und die Wahrung der Erinnerung ein wichtiger Auftrag“, sagte ITS-Direktorin Professor Rebecca Boehling.

Seit 1992 fördert das UNESCO-Programm “Memory of the World" den Erhalt und den Zugang zu Dokumenten der Kultur- und Geistesgeschichte der Menschheit. Ziel ist es, die dokumentarischen Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert in Archiven, Bibliotheken und Museen zu sichern und auf neuen informationstechnischen Wegen zugänglich zu machen. Die nun im UNESCO-Register aufgenommenen Dokumente aus dem Archiv des ITS wurden vollständig digitalisiert und sind in verschiedenen Archiven weltweit zugänglich. „Wir benötigen in Bad Arolsen dringend ein neues Archivgebäude mit klimatisierten Räumen. Dank des UNESCO-Titels hoffen wir auf eine breite Unterstützung für dieses Vorhaben“, so Boehling.

Die Bewerbung für die Aufnahme in das UNESCO-Register war Ende März 2012 durch den Internationalen Ausschuss für den ITS erfolgt. „Sie wurde von den elf Mitgliedsstaaten des Ausschusses einhellig getragen“, sagte Andrzej Misztal, dessen derzeitiger Vorsitzender. „Wir sind davon überzeugt, dass es angesichts der Relevanz des Archivs der richtige Schritt ist und dem ITS zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen wird. Wir verpflichten uns dazu, das Archiv hier in Bad Arolsen nach besten Kräften zum Nutzen der Menschheit und künftiger Generationen zu bewahren.“

Seit Januar 1946 führt der ITS in Bad Arolsen Familien wieder zusammen und gibt Auskünfte aus den Dokumentenbeständen an Überlebende und Familienangehörige von Opfern der NS-Verfolgung. Ende 2007 wurde das Archiv auch für die Forschung und Bildung geöffnet. „Die einzelnen Dokumente sind unschätzbare Zeugnisse der Gräueltaten des NS-Regimes und sie ermöglichen es Historikern, aber auch Schulen und Einzelpersonen, individuellen Schicksalen nachzugehen“, unterstrich der hessische Staatssekretär Mark Weinmeister. „An kaum einem anderen Ort in Deutschland und Europa ist das Schicksal der Opfer und Überlebenden in einer solch konzentrierten Form dokumentiert.“