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Zukunftsdebatte auf gutem Weg

Auf seiner zweitägigen Sitzung in London hat sich der Internationale Ausschuss für den Internationalen Suchdienst (ITS) unter dem Vorsitz Großbritanniens mit der Frage nach der künftigen Struktur und Trägerschaft des Internationalen Suchdienstes befasst. Die bisherige humanitäre Arbeit des Suchdienstes, die Klärung von Schicksalen von Opfern des NS-Regimes und die Zusammenführung von Familien, soll fortgesetzt werden, solange es dafür einen Bedarf von Seiten der Betroffenen und ihrer Angehörigen gibt. „Daneben diskutieren wir eine aktive Rolle im Bereich der Bildung, Erinnerung und Forschung“, sagte Daniel Bethlehem, Präsident des Internationalen Ausschusses. „Der internationale Charakter der Einrichtung soll in jedem Fall erhalten bleiben.“

Der Internationale Ausschuss, dessen elf Mitgliedsstaaten die Arbeit des ITS in Bad Arolsen ϋberwachen, wird die Debatte ϋber die Zukunft der Einrichtung in den kommenden zwölf Monaten unter der Präsidentschaft der Vereinigten Staaten fortsetzen. Die Mitglieder des Ausschusses kamen überein, dass es in absehbarer Zukunft einen neuen Vertrag über die Aufgaben des ITS geben soll. Dieser soll die Bonner Verträge von 1955 und die Ergänzungsprotokolle von 2006 ablösen. „Wir haben während der Diskussionen im vergangenen Jahr gute Fortschritte erzielt“, so Bethlehem. „Der Internationale Ausschuss und der ITS sind Treuhänder eines Archivs von besonderer Bedeutung für die gesamte Menschheit.“

Das Mandat der strategischen Arbeitsgruppe, die vom Ausschuss im vergangenen Jahr eingesetzt wurde, um Vorschläge für die künftige Struktur und das Management des ITS auszuarbeiten, wurde um ein Jahr verlängert. Die Arbeitsgruppe wird weiterhin von den Niederlanden geleitet werden. Die Verhandlungen über eine Neuausrichtung des ITS waren im Mai vergangenen Jahres begonnen worden, da das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) nach der Öffnung des Archivs für die Forschung den Wunsch nach einem Rückzug aus der Leitung der Einrichtung geäußert hatte. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz wird einen Sitz als ständiger Vertreter im Ausschuss beibehalten.

Der Internationale Ausschuss begrüßte den fortlaufenden Prozess der Öffnung des Archivs für die historische Forschung. Er räumt der Digitalisierung und Erschließung der Dokumente im Archiv des ITS hohe Priorität ein. Anlässlich der Jahresversammlung übergab der ITS weitere Datenkopien von Dokumenten an die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, das US Holocaust Memorial Museum in Washington und das Institut für Nationales Gedenken in Warschau. Es handelt sich dabei um Dokumente aus deutschen Camps für Displaced Persons, 180.000 sogenannte CM1-Fragebögen (Care and Maintenance/Fürsorge und Unterhalt). Die Dokumente geben Aufschluss über das Schicksal von Menschen, die aus Konzentrationslagern, Zwangsarbeit und teilweise aus Kriegsgefangenschaft befreit wurden.

Zugleich überreichte der ITS Kopien von Listen mit Überlebenden des Holocaust, so genannte F18-Listen (ITS Signatur). Diese hatten vor allem jüdische Organisationen aus unterschiedlichen Ländern nach dem Krieg zusammengetragen. Die 55.000 Dokumente halfen dem Suchdienst bei der Klärung von Schicksalen und Familienzusammenführungen. Auf Beschluss des Internationalen Ausschusses kann jeder der elf Mitgliedsstaaten eine digitale Kopie der in Bad Arolsen lagernden Unterlagen erhalten. Die übrigen Dokumente aus DP Camps in anderen europäischen Ländern sowie Emigrationslisten werden Ende des Jahres nach dem Abschluss der Digitalisierung dieses Archivbestandes folgen.

Link zur Meldung des Britischen Außenministeriums: www.fco.gov.uk/en/newsroom/latest-news/